Im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals spielte das Trio Echnaton in der Stadtkirche – und begeisterte.
Glückstadt – Der Auftritt des Trio Echnaton in der Glückstädter Stadtkirche war das Konzertereignis schlechthin. Und wer von seinem Platz aus das Trio mit Wolfram Brandel, Violine, Sebastian Krunnies, Viola, und Frank-Michael Guthmann, Violoncello, sehen konnte, erlebte auch visuell hochkonzentrierte Musiker mit Spielfreude und einer wunderbaren Ausstrahlung.
Das Schleswig-Holstein-Musik-Festival (SHMF) hatte das musikinteressierte Publikum fest im Griff. Der gute Besuch zeigte es. So waren es gleich die ersten Töne aus Ludwig van Beethovens Streichtrio Opus 9, Nummer 1, das die Hörer aufhorchen ließ. Gefühlvoll das Adagio und beinahe unmerklich der Übergang zum Allegro. Wer so musizieren kann, gehört auf die großen Podien der Welt.
Nach einem klanglich erregten Mittelteil kehrt alles in den anfänglichen Frieden des zweiten Satzes zurück. Das war ein erlesenes Hörerlebnis. Das Scherzo ist ein typischer scherzhafter Einfall Beethovens. Auch dieser Satz wunderbar musiziert. Keine vordergründige Interpretation sondern nach Innen gekehrt, hochkonzentriert und trotzdem immer mit einem Ausdruck von Leichtigkeit. Im letzten Satz, dem Presto, zeigte das Trio zunächst eine stürmische Ausgelassenheit, die in der Mitte des turbulente Geschehens in eine lyrische Melodie mündet. Aber immer wieder bricht eine quirlige Lebendigkeit durch. Stürmischer Applaus holte auch die Zuhörer auf die Kirchenbank zurück, die sich der drückenden Hitze dank dieser Interpretation gedanklich weit entfernt hatten.
Damit nicht genug: Der zweite Teil des Konzertes zog alle Register in Farbigkeit und Ausdruck. Wer kennt nicht die so genannten Goldbergvariationen. Vom russischen Gesandten in Dresden, Graf von Keyserlingk, bei Johann Sebastian Bach für seinen Cembalisten Goldberg bestellt, komponiert der Thomaskantor „einige Clavierstücke“, die sanft und mit etwas munterem Charakter sein sollten. So sollten diese Stücke die schlaflosen Nächte des Grafen ein wenig aufheitern.
Nicht etwa der Auftraggeber war mit einem Widmungsauftrag bedacht worden, sondern „Denen Liebhabern zur Gemüths-Ergetzung“. Auf dem Cembalo gespielt, ist es eine große Herausforderung für jeden Interpreten. Die meist dreistimmigen Sätze sind technisch schwer, oft schwierig in den einzelnen Stimmen zu verfolgen.
Der russische Geiger und Dirigent Dmitry Sitkovetsky hat dieses Werk 1984 fast notengetreu auf drei Streichinstrumente übertragen. Die musikalischen Farben auf einem zweimanualigen Cembalo sind begrenzt und lassen nur gewisse Terrassendynamik zu. Anders ist es bei Streichinstrumenten. Und noch anders ist es wenn diese von den Mitgliedern des Echnaton Trios gespielt werden.
Es ist kaum zu glauben, dass die Interpreten in der Lage sind, aus ihren Instrumenten all diese Register zu ziehen. Eine riesige Palette an Nuancen tat sich da auf. Durchsichtig gestaltet und jede Stimme gut hörbar. Ein Meisterwerk Bachs, eine Meisterleistung des Trios Echnaton.
Die Zuhörer in der Stadtkirche waren der Wärme und dem sich draußen zusammenbrauenden Wetter in eine hohe musikalische, geistige Ebene entrückt. Nach der Wiederholung der Aria am Schluss der 30 Variationen blieb es lange still und hochkonzentriert, bevor der Applaus ausbrach.
Da blieb kein Wunsch an die Künstler offen – außer an eine Zugabe vielleicht. Die hätte allerdings den überragenden Eindruck der Goldbergvariationen geschmälert.