Angefangen hatte alles in Beetzendorf, einem verträumten Kleinod in der westlichen Altmark. Die wahrlich "verrückt" anmutende Idee, mit gesanglichen Laien ein A-cappella-Ensemble zu gründen, trieb einige von uns 1992 - wir waren damals noch Schüler des Gymnasiums Beetzendorf - durch die altehrwürdigen Gemäuer unserer Schule. Es galt, sangesfreudige Mitstreiter zu gewinnen. Zugegeben: Sehr optimistisch waren wir nicht und die ersten Absagen einiger Mitschüler wirkten nicht gerade ermutigend. Doch irgendwie gelang es uns tatsächlich, einige "Verrückte" für das Projekt zu begeistern und noch im September desselben Jahres traf sich die entstandene Gruppe zu einer ersten gemeinsamen Probe. Das Problem: Keiner wusste, wie Chorarbeit wirklich funktioniert und selbst vom richtigen Singen hatten wir nur den Hauch einer Ahnung. Unser erstes Lied, das wir gemeinsam zu singen versuchten, war dann auch ein Graus: Der Tenor kam nicht hoch, der Bass nicht runter, der Alt wurschtelte irgendwie in der Mitte herum und der Sopran schien überhaupt etwas völlig anderes zu singen. Eigentlich also beste Voraussetzungen dafür, es bei einem einmaligen Spaß zu belassen. Doch es kam anders, denn jene kläglichen Klänge entfachten bei allen Beteiligten eine Begeisterung, die zum Weitermachen motivierte.
Es folgten Monate harter Arbeit. Sechsstündige Proben wurden zur Regel und nicht selten übten wir bis an den Rand der Erschöpfung. So langsam bekamen wir tatsächlich ein Gefühl für uns, für unsere Stimmen und den Klang unseres Ensembles und schließlich, am sechsten Dezember 1992, war es so weit: In der Apenburger Kirche gaben wir unter dem Namen Music Project Altmark West unser Debüt und wurden von den Zuhörern mit tosendem Beifall und stehenden Ovationen gefeiert. Der Erfolg spornte uns weiter an, aber wie ein Damoklesschwert schwebte 1993 das Abitur über unserem Doppelquartett und Kritiker meinten, dass damit wohl das Ende des Chores kommen würde. Doch sie lagen glücklicherweise falsch. Wir konnten uns weiterhin zu wöchentlichen Proben treffen und unseren Bekanntheitsgrad weiter steigern. Unglaublich! Es folgten Konzerte in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, der Gewinn eines ersten Preises beim Wettbewerb Jugend musiziert und eine Konzertreise nach Belgien. 1994 brachten wir sogar unsere erste und heute längst vergriffene CD heraus.
Viele Jahre sind seitdem vergangen. Inzwischen gibt es tatsächlich vier weitere CDs von uns und Konzerte in ganz Deutschland füllen heute unsere Terminkalender. Den größten Erfolg unserer bisherigen Geschichte erreichten wir jedoch im Juli 2004, als wir uns bei der internationalen Chorolympiade in Bremen gegen eine hochkarätige internationale Konkurrenz durchsetzen konnten und Olympiasieger für Deutschland wurden. Ermutigt durch diesen Erfolg hatten wir uns Anfang des Jahres 2005 für eine Meisterklasse bei den King's Singers im Rahmen des Schleswig-Holstein-Musikfestivals beworben und wurden tatsächlich eingeladen. Fünf Tage lang hatten wir die einmalige Möglichkeit, mit unseren Idolen intensiv zu arbeiten und von ihnen so unglaublich viel zu lernen. Es waren für jeden von uns die bewegendsten Tage als MPAWler. Unvergesslich!
Mittlerweile haben wir viele neue Fans, denen die ersten Jahre des MPAW völlig unbekannt sind. Sie haben die Urbesetzung nie gehört und sind dennoch immer wieder begeisterte Konzertbesucher. Zudem hat sich die Besetzung des Ensembles im Laufe der Zeit immer wieder verändert und ist noch heute einer permanenten Fluktuation unterworfen, was die Tatsache belegt, dass wir in unserer momentanen Besetzung erst seit 2006 zusammen singen. Ein Umstand, den wir inzwischen mehr als Vor- denn als Nachteil begreifen, da sich mit jedem Neuen auch der Chor stetig weiterentwickelt. Auf diese Weise wurden und werden immer wieder neue Ideen eingebracht, wird das Repertoire modifiziert und werden Programme immer wieder neu strukturiert.
Neben all diesen Veränderungen gibt es aber auch eine ganze Reihe wertvoller Konstanten, die sich über die Jahre erhalten haben wie der enorme, ja fanatische Einsatz, mit dem inzwischen jeder an sich arbeitet, die fast schon pedantisch zu nennende Gründlichkeit, mit der wir unsere Programme vorbereiten und natürlich der Spaß, der uns stets ein wertvoller und treuer Begleiter war. Geblieben ist aber auch eine gesunde Neugier, mit der einige von uns das Internet, Musikbibliotheken oder Notenläden durchforschen, immer auf der Suche nach Musik, die gefällt. Inzwischen ist daraus ein erstaunlich breites Repertoire entstanden, mit dem wir seither versuchen, die künstlichen Grenzen zwischen der alten und der neuen Musik aufzuheben.
Wenn wir manchmal nach Gründen für unseren Erfolg befragt werden, so finden wir meist keine wirkliche Antwort und nicht selten endet ein darauf ausgerichtetes Gespräch - sehr zum Leidwesen mancher Reporter - im witzelnden Durcheinander, bei dem am Ende niemand mehr weiß, worum es eigentlich ging. Möglicherweise liegt der Erfolg einfach nur in dem besonderen Gefühl, dem besonderen Erlebnis, das schwer zu beschreiben ist, das aber jeder von uns immer wieder fasziniert beobachtet: Wie professionell und herzlich gearbeitet wird, wie chaotisch und abenteuerlich so manche Konzertreise verläuft und wie konzentriert und im besten Sinne routiniert dann doch alles im Moment des Auftritts abläuft.
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