»Nun lob, mein Seel, den Herren« - Konzertprojekt des Kammerchors »Fontana d’Israel« anlässlich des Reformationsjubiläums 2017


Konzertprogramm


Auf dem Programm der Konzerte stehen Vertonungen von Luther-Texten von u.a. Samuel Scheidt, Johann Herrmann Schein, Michael Praetorius und Heinrich Schütz sowie reine Instrumentalwerke. Besondere Entdeckungen stellen ein Magnificat von Scheidt dar, dessen Versen im Wechsel mit Luther-Liedern gesungen werden, sowie ein „Quod libet“, bei denen drei Lutherlieder gleichzeitig erklingen. Das Konzertprogramm geht damit weit über gängige Reformations-Programme von Kirchenchören hinaus.

 

Auszüge aus dem Programm:

Michael Praetorius (1571-1621):
„Allein Gott in der Höh sei Ehr“ für Chor a cappella

Matthias Weckmann (1616-1674):
„Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird“ (Psalm 126) für fünf Streicher, Chor und Continuo

Johann H. Schein (1586-1630):
„Selig sind, die da geistlich arm sind“ für Chor, Instrumente und Continuo
„Das ist mir lieb”
„Wie lieblich sind deine Wohnungen“ für Chor a capella

Johann Rosenmüller (1619–1684):
„Sonata sesta a tre” für 2 Violinen, Dulzian und Continuo

Heinrich Scheidemann (1595-1663):
„Jesus Christus unser Heiland“ für Orgel

Heinrich Schütz (1585-1672):
„Siehe, wie fein und lieblich” – Geistliches Konzert für 2 Violinen, 2 Bratschen, Fagott, fünfstimmigen Chor und Continuo
„Psalm 115“ für drei Chöre

Samuel Scheidt (1587-1654)
„Magnificat – 6 Verse nebst 6 deutschen Liedern“ (aus: Geistliche Konzerte Teil 3)
für Chor und Instrumental Ensemble

 

Samuel Scheidt, Johann Herrmann Schein, Heinrich Schütz und Michael Praetorius gehörten zur ersten Generation von Komponisten, die in herausragender Art und Weise mit den Ideen Martin Luthers umgegangen sind und die protestantische Kirchenmusik maßgeblich verändert und geprägt habe. Auf Basis der luther’schen Ideen und Texte sowie der Kunst der Mehrchörigkeit, die sich zeitgleich in Italien entwickelt hatte, verhalfen sie der protestantischen Kirchenmusik zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu ihrer ersten Blütezeit. Eine neue, am Wort und der eigenen Muttersprache orientierten Tonsprache entstand.
Der lutherische Lieder-Korpus, welches das Reformationsjahrhundert hatte entstehen lassen, stand z.B. im Zentrum des Schaffens von Michael Praetorius. In einer geradezu enzyklopädischen Breite brachte Praetorius diesen Liederschatz seinen Mitmenschen nahe, teils in kleinsten, teils in großen mehrchörigen Besetzungen, die das Kirchenlied in aller vorbarocker Prachtentfaltung erlebbar machten.
Auch Heinrich Schütz verstand seine Arbeit als Verkündigung des Evangeliums in der Kirche der Reformation. Zu seiner Zeit wurde er als der bedeutendste europäische Komponist angesehen und war der musikalische Leiter der Festkonzerte zum 100. Reformationsjubiläum. Seine Vertonungen von Luther-Liedern gehören bis heute zum Standardrepertoire der Kirchenchöre.

Die Mitglieder des Kammerchores »Fontana d’Israel« haben sich seit der Gründung des Chores zu absoluten Spezialisten für die Interpretation dieser Musik entwickelt. So kümmert sich der Chor intensiv um das Liedgut von Schein, Praetorius, Schütz und ihren Zeitgenossen und bringt es seit fast 30 Jahren in Hamburg und ganz Norddeutschland regelmäßig zur Aufführung.
Für den Chor steht es außer Frage, dass er sich mit einem groß angelegten Programm an den Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum 2017 beteiligen wird. Im Rahmen von acht Konzerten in Hamburg und Schleswig-Holstein wird er die Musik, die in direkter Folge des Wirkens Martin Luthers entstand, für Konzertbesucher historisch authentisch zur Aufführung bringen. Dabei werden nicht nur A-Cappella-Werke, sondern auch Werke für Chor und Instrumentalensemble sowie rein instrumentale Werke (auf histor. Instrumenten) erklingen und so die ganze Bandbreite der Musikepoche abbilden.

 

 

 

Kammerchor Fontana d'Israel

Foto: Lichtblick


Der Kammerchor »Fontana d’Israel« wurde im Jahr 1989 von einer Gruppe Studierenden der Kirchenmusik und der Schulmusik an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg gegründet. Leiterin des Chores ist seit seiner Gründung Isolde Kittel-Zerer. Auch heute noch besteht der Chor vornehmlich aus Hamburger Schul- und Kirchenmusikern sowie aus Chorsängerinnen und -sängern mit privater Gesangsausbildung.
Die Motettensammlung Fontana d'Israel (»das Israelsbrünnlein«) des Komponisten Johann Hermann Schein (1586-1630), nach der sich der Chor benannt hat, bildete von Beginn an seinen musikalischen Schwerpunkt. Bis heute steht die Musik Scheins im Zentrum seines Repertoires, neben Werken anderer Komponisten aus der Renaissance und dem Früh- und Hochbarock wie Heinrich Schütz, Josquin Deprez und Michael Praetorius. Der Chor führt regelmäßig auch zeitgenössische Chorliteratur auf, darunter Auftragskompositionen.
Die historische Aufführungspraxis bildet den Kern der künstlerischen Arbeit des Chores. Entscheidungen in Bezug auf Stimmgebung, der Aussprache von Fremdsprachen, der Aufstellung von geteilten Chören im Raum oder der Einbeziehung von Instrumenten werden stets anhand von historischen Quellen getroffen. Für den Konzertbesucher wird so erlebbar, wie die Musik zu Zeiten der Komponisten dargeboten wurde.
Große Beachtung fand der Chor 1990 mit der ersten deutschen Gesamtaufführung der Barockoper La liberazione di Ruggiero dall'isola d'Alcina von Francesca Caccini im Museum für Hamburgische Geschichte. 2010 gestaltete der Chor das Eröffnungskonzert des Festivals Hamburg Barock in der Hauptkirche St. Katharinen. Das Konzert wurde vom Deutschlandradio mitgeschnitten.
Fontana d’Israel tritt vorwiegend im norddeutschen Raum auf, gastierte in den letzten Jahren aber auch in Österreich, Liechtenstein, den Niederlanden, Frankreich, Schweden und Dänemark.



Isolde Kittel-Zerer


Isolde Kittel-Zerer leitet den Kammerchor Fontana d´Israel seit seiner Gründung im Jahr 1989.
Ihre erste musikalische Ausbildung erhielt sie in Pforzheim bei Rolf Schweizer. Anschließend studierte sie Kirchenmusik in Stuttgart (B) und München (A) und legte das Konzertexamen für Orgel in Wien bei Michael Radulescu ab. Sie ist Preisträgerin der Internationalen Orgelwettbewerbe in Brügge (1985) und Innsbruck (1986).
Als Spezialistin für die Musik der Renaissance und des Barocks übt Isolde Kittel-Zerer eine rege Tätigkeit als Organistin und Cembalistin aus, sowohl solistisch als auch in Ensembles. So spielte sie u.a. mit dem Barockorchester L’Arpa festante, dem Münchner Barockensemble, dem Ensemble für Alte Musik I Sonatori, dem Kammerorchester der Philharmoniker Hamburg, dem Ensemble Resonanz, den Hamburger Symphonikern, dem NDR Chor, dem Chor der Ludwigsburger Festspiele und namhaften Solisten. Als Dirigentin leitete sie etliche Aufführungen Alter Musik im norddeutschen Raum und in vielen europäischen Ländern. Konzertengagements führten sie außerdem nach China und Japan.
Isolde Kittel-Zerer wirkte an zahlreichen an Rundfunk- und CD-Aufnahmen mit. An der Hochschule für Musik und Theater Hamburg hat sie seit 2007 einen Lehrauftrag für Cembalo und Korrepetition im Fachbereich Alte Musik inne und leitet das Vokalensemble des Studios für Alte Musik. 2014 erhielt sie für ein Projekt an der Hochschule für Musik und Theater zum Bach‘schen Weihnachtsoratorium den Lehrpreis der Stadt Hamburg. 2016 dirigierte sie Aufführungen der Matthäus-Passion von J.S. Bach der Barock-Ensembles »Ensemble vocale e instrumentale il teatro armonico“ in Verona, Venedig, Vincenza und Cremona/Italien.